Alpingeschichte

Anfangs der Achtzigerjahre des neunzehnten Jahrhunderts hatte sich unter Führung eines Wiener Textilkaufmannes namens Rudolf A. Kolroser ein kleiner Freundeskreis regelmäßig zu feucht fröhlicher Geselligkeit zusammengefunden. Die Freunde trafen sich an bestimmten Wochentagen im „Goldenen Sieb" in der Paniglgasse im 4. Wiener Gemeindebezirk. An Sonntagen hingegen gab es gemeinsame Wanderungen in den Wienerwald, die mit der Zeit auch auf die Voralpen ausgedehnt wurden. Die Runde nannte sich zunächst - offensichtlich unter Anspielung auf den Namen ihres Führers - „Kohlröserl", später aber, da bereits von den Höhen der Voralpen aus Rax und Schneeberg als doch eher alpine Ziele lockten, „Enzian". Gemeinsame Besuche der Veranstaltungen des Österreichischen Touristenklubs vertieften das erwachende alpine Interesse und bald nannte man sich eine „Alpine Gesellschaft".

Dabei ergab sich die Notwendigkeit, für den nun zu errichtenden Verein einen neuen Namen zu wählen. Es gab nämlich damals in Wien bereits eine „Alpine Gesellschaft Enzian" und die Behörde lehnte daher die Genehmigung unter diesem Namen ab.

Die Gründer der Alpinen Gesellschaft Preintaler, 12. September 1886Nun hatten die Proponenten für den zu gründenden alpinen Verein als Arbeitsgebiet - ein solches muss ja ein alpiner Verein haben - die Gegend um Gippel und Göller in Aussicht genommen und so wurde der neue Name nach dem zu Füßen dieser Berge liegenden Preintale gewählt.

Der Name der Gesellschaft "Preinthaler" kommt somit von dem schönen Hochtal mit dem Preinbach; er hat also mit "Prein" im Raxgebiet nichts zu tun. Die Gründungsversammlung war am 6. Mai 1885. Zweck der neu gegründeten Gesellschaft war nach § 2 der genehmigten Statuten  die "Förderung des Touristenwesens sowie jeder Art alpiner Angelegenheiten".

Zur Mitgliederversammlung am 30. September 1885 erschien als Gast ein Mann namens Hans Wödl. Mit seiner Aufnahme als Mitglied am 9. Dezember 1885 erhielt nun die hochalpine Richtung gewaltigen Auftrieb und die Gesellschaft meldete sich unter korporativem Beitritt ihrer Mitglieder als Tischgesellschaft beim Österreichischen Alpenklub an, dem sich die Preintaler seither stets eng verbunden fühlten. Am 20. Jänner 1886 wurde erstmals ein Preintaler, Edmund Forster, in den Ausschuss des ÖAK gewählt und in der Folge bekleideten zahlreiche Preintaler dort verschiedene Funktionen.

Dem Durchbruch der hochalpinen Richtung innerhalb der Gesellschaft entsprechend ging nun das Bestreben nach einem Betätigungsfeld im Hochgebirge anstatt des bislang gewählten im Voralpenbereich. Es ist das bleibende Verdienst Edmund Forsters, des Gründungsobmannes, hiefür die Schladminger Tauern vorgeschlagen zu haben. Ihm und seinen Nachfolgern ist es aber auch zu danken, dass dort fürderhin jedwede Übererschließung bewusst vermieden wurde.

Schon zu Pfingsten 1886, also knapp ein Jahr nach der Gründung, durchforschten mehrere Gruppen der Preintaler die damals noch ganz einsamen und nahezu unbekannten Schladminger Tauern. Trotz schlechtester Wetterverhältnisse konnten sie zuhause von der ernsten, wilden und unberührten Schönheit dieser Berge berichten. Die Übernahme dieses Gebietes als Arbeitsbereich der Gesellschaft wurde nun endgültig beschlossen und mit Eifer und Tatkraft an die Arbeit gegangen. Den ersten Erkundungsfahrten folgte nun eine rege bergsteigerische Erschließungstätigkeit. Mehr als die Hälfte aller Neutouren im Arbeitsgebiet wurden von Preintalern ausgeführt.

Hier sei auch jener Männer gedacht, die den Erschließern mit Rat und Tat zur Seite standen, der Bergführer Peter Gerhardter vlg. Grünstock in Schladming und Traugott Wieser vlg. Rodler im Seewigtal. Dieses gemeinsame Bergerleben festigte natürlich auch den freundschaftlichen Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft. Um diesen zu bewahren und Zersplitterung zu vermeiden, wurde die Mitgliederzahl bewusst möglichst klein gehalten und betrug nie mehr als 35.

Neben der bergsteigerischeHans Wödl (1863-1937)n Erschließung wurde auch im Sinne der „Förderung des Touristenwesens" die allgemein-touristische Erschließung des Arbeitsgebietes nicht vernachlässigt. So wurde am 29. 10. 1888 beschlossen „Wegmarkierungen zu schaffen und Gedenkbücher auf Gipfeln zu hinterlegen". Doch schon zu Beginn des Jahres 1889 wurde der erweiterte Beschluss gefasst, neben der Anlegung neuer Markierungen auch einen Baufonds zu schaffen, sowie einen Platz für eine zu erbauende Schutzhütte ausfindig zu machen (Generalversammlung vom 20. 5. 1889). Zwischendurch wurde, um die Verbundenheit mit dem ÖAK zu bekunden, die Spende eines „Fremdenbuches" für die Zsigmondyhütte und eine namhafte Geldspende (200 Gulden) für den Ausbau der Erzherzog-Johann-Hütte auf der Adlersruhe beschlossen.

Im Jahre 1890 legte Edmund Forster das Amt des Obmannes nieder und Hans Wödl übernahm nun bis 1895 die Führung der Gesellschaft. Im Herbst 1890 wurde als Standort der geplanten Schutzhütte die Waldhornalpe im Herzen des Arbeitsgebietes der Gesellschaft gewählt und dort ein Grundstück im Ausmaße von 30 Quadratklaftern (ca. 97,20 m2) erworben. Gleichzeitig wurde Bauholz angeschafft und mit einheimischen Zimmerleuten Bauverhandlungen aufgenommen. Im Frühsommer 1891 wurde die Hütte fertiggestellt und am 15. 8. 1891 als Preintalerhütte feierlich eröffnet. Die gesamten Baukosten betrugen 934.68 Gulden!

Neben den Sorgen um diesen Hüttenbau wurde keineswegs auf rege bergsteigerische Tätigkeit vergessen. Bezeichnend für die strenge alpine Einstellung der damaligen Preintaler war die Verpflichtung zur Abgabe eines jährlichen Tourenberichtes. Eine Zusammenfassung dieser Berichte wurde dann im Jahresbericht des Obmannes gegeben und erwies sich manchmal als geradezu imposant! Spannte sich doch der Bogen von den Wiener Hausbergen (Preintalersteig auf der Rax, Hans-Wödl-Quelle ebendort) bis zu Matterhorn, Montblanc und Meije. Das war für die Zeit vor 1914 eine ganz außerordentliche Leistung. Selbst außerhalb der Alpen waren Preintaler zu finden, so z. B. Hans Wödl in Korsika und Viktor Pillwax, der „Glocknerkönig", in den Rocky Mountains, ferner Hans Püchler im Hohen Atlas. Letzterer leistete übrigens in der Zwischenkriegszeit ersprießliche Erschließungsarbeit in der Schobergruppe, sowie Dr. Rudovsky in den Friauler Alpen. Es ist aber selbstverständlich, dass der Schwerpunkt der bergsteigerischen Tätigkeit der Preintaler nach wie vor in den Schladminger Tauern lag.

 

Zum Geleit wäre anzumerken, daß die Alpine Gesellschaft Preintaler nie mehr als 35 Mitglieder hatte. Sehr viel Idealismus und Einsatzbereitschaft wurde aufgebracht, an die Mitglieder höchste Anforderungen gestellt. Aus kleinsten Anfängen entstanden im Laufe der Jahrzehnte 3 stattliche Schutzhäuser und ein sehr beachtliches Wegenetz. Dabei wurde seit eh und je streng darauf geachtet der Umwelt keine Gewalt anzutun. Die Häuser sind einfache Bergsteigerheime und die Wege die uralten Alm- und Jagdsteige geblieben. Dies alles wurde zum überwiegenden Teil aus eigener Kraft geschaffen, ohne Zweifel eine große Leistung für so wenige Menschen.

Quelle: Geschichte der Alpinen Gesellschaft Preintaler 1885-2010
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Schlagzeilen

Unsere Hütten waren 30. Mai bis zum 06. Oktober 2019 für Sie geöffnet.
Wir danken allen BergsteigerInnen für Ihren Besuch auf unseren Hütten!
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