Natur + Umwelt

Gedanken zum Internationalen Jahr der Biodiversität

Die Vereinten Nationen haben 2011 bis 2020 zum Jahrzehnt der Biodiversität erklärt. Was aber bedeutet Biodiversität eigentlich? Unter dem Fachbegriff «Biodiversität» versteht man die biologische Vielfalt des Lebens auf der Erde - von der genetischen Vielfalt über den Arten- und Formenreichtum bis hin zur Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen, der Vielfalt der Ökosysteme. Was aber hat dieser wissenschaftliche Begriff mit unserer kleinen Schladminger Tauernregion zu tun?

Die AGP ist zugleich Nutzer und Schützer dieses Berggebietes und bewegt sich stets in diesem Spannungsfeld. Mit den alpinen Infrastrukturen der Schutzhütten, der Berg- und Wanderwege leistet die AGP auch Dienste im öffentlichen Interesse und versucht übermäßige Eingriffe in die alpine Natur- und Kulturlandschaft abzuwehren, um diese so vor Zerstörung zu schützen. Das hat schon für deren Gründer vor 125 Jahren gegolten, die schon damals festhielten, dass „jedwede Übererschließung bewusst vermieden werde“. Alles in allem zeigte sich stets das Bestreben, die Bergwelt soweit als möglich in ihrem Urzustand zu belassen und ihren Besuch nur in „unumgänglichem Ausmaß durch Wegverbesserungen und dergleichen zu erleichtern“.

Gerade heute sollten wir uns damit auseinandersetzen, denn wir haben einen Schatz, dessen Existenz uns aber nur selten bewusst ist. Diesen Schatz gilt es für zukünftige Generationen zu bewahren, so wie er für uns erschlossen und bewahrt wurde. Das ausgeprägte Relief dieses Fleckchens Erde, welches von 750 bis auf über 2700 m Meereshöhe reicht, schafft eine Vielzahl von ökologischen Nischen für Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen.

Weltweit sind bereits viele Arten im Tier- und Pflanzenreich für immer verschwunden. Vor allem durch den Verlust von Lebensräumen  und Umweltverschmutzung existieren diese nicht mehr. Der natürlichen Vielfalt unserer Region steht somit in erster Linie die Gefährdung durch menschliche Aktivitäten gegenüber. Der Straßenbau drängt immer höher hinauf. Vor wenigen Jahren war bei Almweg-Projekten das Erreichen der Hütte oder die Waldaufschließung als wirtschaftliches Motiv noch nachvollziehbar. Heute häufen sich Projekte, die weit darüber hinaus wollen - in die gesetzlich besonders geschützte Alpinregion, die Zone oberhalb des geschlossenen Waldbestandes. Wozu eine Straße dort oben? Oder ist der Schutz der Alpinregion höher zu bewerten! Vor dieser heiklen Frage stehen nicht nur die Behörden und alpinen Vereine. Vorherrschende Interessenskonflikte zwischen touristischer Nutzung, Landwirtschaft und Naturschutz enden meistens in langen Begehungen und hitzigen Diskussionen.

Was aber können wir tun? Wir müssen uns vor allem wieder auf den Wert unserer Landschaft besinnen. Wir können bei uns selbst anfangen Maßnahmen zu ergreifen, die der Artenvielfalt förderlich sind. Wir selbst sind Teil der Natur und haben das Recht, uns frei in den Bergen zu bewegen. Wer aber in Natur und Gebirge unterwegs ist, sollte die einfachsten Grundregeln eines umweltgerechten Verhaltens kennen. Für den umweltbewussten Bergsteiger und rücksichtsvollen Hüttengast bedeutet das, sich dessen bewusst zu sein, und, dass keiner von uns rein aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit Fehler im sensiblen Lebensraum Natur machen darf.

  • Tour sorgfältig planen und Ge- und Verbote einhalten. Schutz- und Schongebiete sind zu respektieren.
  • Rücksicht auf Wildtiere und Jungwald nehmen. Die Lebensräume der Wildtiere respektieren und diese nicht durch unnötigen Lärm stören.
  • Auf den Wegen bleiben. Abkürzungen durch Wiesen zerstören die Grasnarbe und führen zu Erosion. Durch Trittschäden zerstörte Grasnarben erholen sich nur sehr langsam und erodieren leicht. Um dies zu vermeiden investiert die AGP, gemeinsam mit ihren Hüttenpächtern, Freunden und benachbarten alpinen Vereinen, jedes Jahr Zeit und Geld in die Erhaltung des Wegenetzes. Nütze deshalb das bestehende Angebot und bleib auf den markierten Wegen und Steigen.
  • Natur nicht plündern! Die Flora bestaunen und schützen - nicht pflücken oder zertreten. Keine geschützten Pflanzen pflücken oder Gehölze von Ihrem natürlichen Standort entfernen! Pilze und Beeren sind für Tiere wichtige Nahrungsquellen.
  • Abfälle und Leergut sind wieder mit ins Tal zu nehmen. Dazu gehören auch Schalen von Zitrusfrüchten und Bananen. Wasserresistente Papiertaschentücher, Windeln und Hygieneartikel fachgerecht entsorgen.

Mag dies auch nur als kleiner Schritt scheinen, doch der Reiz des Bergsports wird in großem Maße durch das Erlebnis Natur geprägt. Bewegen wir uns also mit offenen Augen durch diesen einmaligen ökologischen Ausgleichsraum. Hinterfragen wir dabei unser eigenes Verhalten kritisch. Gerade in den Schladminger Tauern können wir uns auch heute noch in einem einzigartigen Natur- und Kulturraum bewegen. Und das sollten wir erhalten.


Die Alpenkonvention

Schlagzeilen

Unsere Hütten sind vom 02. Juni bis zum 04. Oktober 2017 für Sie geöffnet. 
Wir freuen uns auf Ihren Besuch auf unseren Hütten!
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